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001 Aufbruch ins Unbekannte (Broken Bow)

Der Beginn der Reise

Artikel von

Christopher Kurtz

Kurzwertung

Story 2-   Positives:
Charaktere 3-   + Star Trek is back!
Atmosphäre 2-   + Gelungener Plot für Pilotfilm
Spezialeffekte 2+   Negatives:
Gesamtnote 2+   - Deutsche Fassung
Tendenz nach oben   - Noch wenig Inhaltliches

Happy Hour

Lange haben wir gewartet. Da ist Sie nun: groß, teuer, sexy. Die erste Star Trek-Serie, die sich nicht mehr "Star Trek" nennt. Captain Jonathan Archer & Crew brechen auf, um sich von den Vulkaniern zu emanzipieren und verlorenes Publikum zurückzugewinnen.

Bei mir Zuhause war Festtagsstimmung, alle Trekkis auf einer Couch vor einem Fernseher vereint. Erste erstaunte Feststellung: Privatfernsehen macht Werbung. Der mitlerweile gewohnte DVD-Luxus ist Vergangenheit. Dadurch wird die Story gekonnt zerpflückt, weil Sat.1 wie gewohnt seine ureigenen Werbeunterbrechungen setzt und höchstens zufällig dafür die vorgesehenen Akt-Enden (erkennbar an Schwarzblende) benutzt. Der Story kann man zwar folgen, aber der Rythmus der Handlung wird zerstört.

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Die Übersetzung ist gegen alle Versprechungen sehr "Star Trek"-typisch ausgefallen. Abgesehen von Detailverbesserungen werden wir wohl wieder eine halbe Katastrophe erleben, wenn wir "Broken Bow" (warum musste man diesen Titel übersetzen?) zum Maßstab nehmen. Besonders das Auffinden von alltäglichen Redewendungen im Deutschen, die dem Original gerecht werden, macht den Herrschaften bis auf Ausnahmen offensichtlich Probleme. Außerdem wirken die männlichen Syncronstimmen außer die von Archer alle sehr ähnlich (erster Höreindruck).

Los geht's

Der Einstieg in die Handlung ist absolut brutal. Ich hatte mir in der Tradition von DS9 und Voyager einen schönen, einleitenden Prolog vorgestellt. Stattdessen setzt "Broken Bow" auf Verwirrung, Action und Spannung. Erst nach dem herausragend geratenden Vorspann beginnt sich, die Handlung nachvollziehbar zu entwickeln.

"Broken Bow" vermeidet die in Pilotfilmen oft peinlich genauen Erläuterungen aller Umstände und setzt auf eine erzählende, fortschreitende Handlung. Das hat Vor- und Nachteile. Zwar wirkt der Pilotfilm von Anfang an wie eine gut strukturierte, aufgeräumte Geschichte, dafür bleiben einige Fragen unbeantwortet auf der Strecke und für die Erforschung der Charakterebleibt keine Zeit. Eine mutige Entscheidung, die "Broken Bow" viel erzählerische Freiheiten einräumt.

Temporaler Kalter Krieg

Wie auch bei den drei vorhergehenden Serien ist auch diesmal ein wohl allumspnnender Rahmen durch den Temporalen Kalten Krieg geschaffen worden. Im Gegensatz zu TNG und DS9 ist aber davon auszugehen, dass dieser Handlungsbogen sehr bewusst vorgesehen und eingeplant wurde, denn er löst zwei Probleme:

Erstens gibt er den Autoren die erzählerische Freiheit zurück, die Sie teilweise verloren hatten, als "Enterprise" als Prequel zu "Star Trek" geplant wurde. Die Sternenflotte kann Kriege führen, Hauptcharaktere können sterben, sogar ein vorgezogener Erstkontakt mit den Borg ist drin. Alles was am Ende der Serie nicht ins "Star Trek"-Universum passt, verschwindet einfach durch ein temporales Paradoxon.

Zweitens erhöht er einfach plump die Zuschauerbindung. Wie bei "Akte X" schürt der Temporale Kalte Krieg die Spannung für die ganze Serie und die Zuschauer sollen auf der Suche nach Antworten "Enterprise" die Treue halten.

Die erste Mission

"Star Trek" ist dann richtig gut, wenn moralische Geshichten erzählt werden, die das Wesen des Menschseins erforschen. Deshalb ist "Broken Bow" sicher keine elitäre "Star Trek"-Geschichte. Es geht vorrangig um Action, also Konflikte, die mit herzhaftem Tonfall, List und Gewalt bestritten werden. Eine Art Miniatur-"Nemesis". Die wirklich interessanten Themen werden nur gestreift und nicht diskutiert.

Dennoch ist der emotionale und visuelle Eindruck von "Enterprise" positiv. Nach Voyager weckt die Anlage der Serie die Hoffnung auf pragmatische und auch interessante Themen. Denn im ganzen Action-Getobe bleiben die vielen schönen Ansätze zu philosophischen und politischen Konflikten wohl bedacht im Raum stehen und wecken die Neugier auf (sicher folgende) gründliche Auseinandersetzung mit den angedeuteten Themen.

Wenn die dann auch kommt, wird "Enterprise" nicht nur zu einer optisch reizvollen, sondern auch thematisch interessanten Serie in der Tradition von "Star Trek" und "Deep Space Nine", mit vielen persönlichen Konflikten und tiefgründigen Charakteren. Der Blick in den Episodenguide verrät jedoch jetzt schon: TNG-Zeiten sind vorbei. In Star Trek werden Konflikte immer weniger abstrakt-politisch sondern immer mehr handfest-explosiv.

Dann mal los!